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Wie gehe ich mit der Affäre meines Partners um?

Wie gehe ich mit der Affäre meines Partners um?

07.02.2021. 13:15
(Kommentare: 0)

Viele Paare trennen sich, weil einer von beiden fremdgegangen ist - oder eine dauerhafte Affäre hat. Der Grund: "Die meisten Paare verfangen sich nach wenigen Jahren in der Selbstverständlichkeit, dass der andere da ist", sagt Dr. Beate Strittmatter. Im Interview hier im Blog erklärt die Medizinerin und Beziehungs-Expertin, warum wir uns in aller Regel genau den Partner suchen, mit dem wir alte Erfahrungen aus der Kindheit wiederholen. Und wie sich eine Beziehung trotz Seitensprung und Fremdgehen retten lässt

Dr. Beate Strittmatter ist Allgemeinärztin aus Saarbrücken und seit Jahrzehnten spezialisiert auf Paarbeziehungen.

 

Frau Dr. Strittmatter, Sie interessieren sich besonders für Menschen, die eine Trennung hinter sich haben. Warum ist das so?

Tatsächlich kommen Patienten ja in der Regel zu mir, weil sie körperliche Probleme mitbringen, die ich behandeln soll, oftmals Schmerzen, Rücken, Migräne oder allergische Probleme. Und in der Regel ist bei den meisten die Schulmedizin am Ende. Im Erstgespräch kommen wir natürlich auch auf traumatische Erlebnisse wie z.B. Trennungen. So ein Trauma setzt sich in alle Zellen und kann dann Therapieresistenz auslösen - das bedeutet, dass der körperliche Schmerz sich allen Therapieversuchen hartnäckig widersetzt.

So eine Trennung ist ja nun mal passiert - wie können Betroffene das Erlebte überwinden, damit der körperliche Schmerz aufhört?

Zunächst einmal tut es gut, zu verstehen, WARUM es passiert ist.

Ich wende hier das Wissen über die Gesetzmäßigkeiten in Partnerschaften an, die bei allen Paaren gleich sind. Zum Beispiel: Wir suchen uns mit einer sehr großen Genauigkeit genau den Partner, mit dem wir alte Erfahrungen aus der Kindheit wiederholen. Und sind dann ganz entsetzt über das Verhalten des Partners. Und wenn man so ein Verhalten in der Kindheit schon mal erlebt hat, tut das doppelt weh, das ist ja Salz in die Wunden von damals. Und die wenigsten wissen das! 

Und warum suchen wir uns genau so einen Partner?

Zum einen, weil sich genau diese Themen bei der Partnerwahl so vertraut anfühlen. Wie oft haben Sie das schon gehört, dass Frauen (oder Männer) bereits nach kurzer Verliebtheit meinen, sie kennen den anderen schon „ewig“? Ja, weil sich die Themen (die zu erwarten sind), so vertraut anfühlen.

Hendrix Harville, ein US-Paartherapeut, sagte einmal „Wir suchen uns mit der Genauigkeit einer Cruise missile den Partner, mit dem wir alte Themen wieder aufführen werden."

Wie lässt sich das denn verhindern?

Gar nicht. Verliebtheit entsteht dort wo die Seele heilen soll und wo es sich vertraut anfühlt. Oder wo jemand eine Eigenschaft hat, die einem selbst fehlt (was einen in der Regel aber später nervt):

Bedingung für eine gute Beziehung ist, dass man vorher über diese Vorgänge Bescheid weiß. Wenn man Bescheid weiß, wird man sich für seine eigenen alten Themen interessieren. Und das Wichtigste: man wird DAMIT RECHNEN, dass irgendein Thema wieder auf den Tisch kommt. Sozusagen als Erinnerung, dass diese Thema jetzt bitte heilen soll.

Man rechnet also damit, dass ein Streit, ein lästiges Verhalten des Partners oder ein Dauer-Konflikt mit den eigenen alten Themen zu tun haben könnte (deshalb habe ich ja auch das Buch „Rettet die Liebe“ geschrieben - dass man sich entweder selbst aus der Geschichte befreien kann oder schon vorher nachschaut, was in Frage kommen könnte). 

Wie kamen Sie überhaupt darauf, dass es solche Gesetzmäßigkeiten in Beziehungen gibt?

Als ich mich vor über 30 Jahren nach 6 Jahren Orthopädie mit der Ohrakupunktur in einer Schmerzpraxis niederließ, schickten mir Kollegen sehr bald ihre schwierigen Fälle. Da ich auch von Anfang an viele Ärzte in dieser Methode ausgebildet habe, konnten die Kollegen die „einfachen“ schwierigen Fälle bald gut selbst behandeln. Für mich blieben im Laufe der Jahre deshalb immer schwierigere Patienten übrig. Ich musste also noch näher hinsehen - und fand, dass erstaunlich viele Schmerzpatienten irgendein altes oder ein akutes drängendes Thema oder einen Konflikt mit sich herumschleppen.

Was für Themen sind das dann meistens?

Das kann ein Konflikt sein - gehen oder bleiben? Reden oder schweigen?

Es ist oft auch ein Ärger über ein immer wiederkehrendes Verhalten des Partners. Beispiel: Er hört nicht zu. Oder er macht einen klein. Oder ist unzuverlässig. Oder hat eine Affäre. Oder er lügt. 

Aber so einfach kann man das ja nicht auflösen, geschweige denn den Partner ändern?

Doch. Das Prinzip ist recht klar: Es lohnt sich immer, nach alten eigenen Erfahrungen als Kind zu schauen - dem „Sound der Kindheit“. Hatte ich das schon mal? Was wiederhole ich hier? Allein das ERKENNEN nimmt plötzlich die Wucht aus dem Thema. Und interessant: wenn man (z.B. mit Hilfe) an seine eigenes Thema drangeht, verändert der andere in der Regel langsam sein Verhalten!

Der Schmerz wird durch Erkennen gelindert, ok. Was aber ist mit dem Trauma selbst, die Art und Weise wie man das herausfinden musste?

Es gibt hier hochwirksame Methoden, die Erinnerung vom Gefühl abzukoppeln, zum Beispiel EMDR (emdria.de) oder auch die Traumatherapie über unsere Ohr-Reflexzonen, auch hier reicht in der Regel eine einzige Sitzung. Patienten sagen z.B.: „Ich komme jetzt nicht mehr an den Schmerz dran, es kann mich erinnern, aber es ist als sei ich nur dabei und nicht selbst betroffen.“ Das bringt einen nochmal gut auf die Füße zurück und nimmt eine große Belastung vom gesamten System.

Sie haben die Affäre erwähnt - was macht man da als betrogener Partner?

Die meisten Frauen (und manche Männer) verlassen dann reflexartig die Beziehung. Als sei das ein Gesetz. Aber gerade die Affäre ist oft ein Weckruf für die Beziehung.

Weckruf? Eine Frau findet es z.B. heraus dass ihr Partner fremd geht. Und jetzt?

Den Betrug  des Partners herauszufinden ist immer verdammt schmerzhaft. Ich habe es vor langen Jahren selbst erlebt. Und da wusste ich diese ganzen schlauen Dinge von heute noch nicht. Welche Gefühle einen da fluten - dafür sind Sie als Trennungscoach ja Spezialistin:

Verzweiflung, glühende Wut, Scham, Eifersucht, Abwertung, Angst.

Trösten allein ist hier nicht zielführend. Aber diese wichtigste Frage:

Wollen Sie den Partner noch? Und wollen wir zusammen hinsehen, was in der Beziehung über die Jahre verloren gegangen ist?

Interessant - was ist denn meistens verloren gegangen?

Oh - das wissen die Frauen in aller Regel sofort. Man muss sich ja nur mal zurückerinnern, wie war das damals, als man noch verliebt war, als man am Anfang einer wundervollen Vision des neuen Paarlebens stand.

Da gab es Leichtigkeit, Unbeschwertheit, man sah den anderen im allerbesten Licht, hatte den Blick allein auf die positiven, wundervollen Eigenschaften des Partners gerichtet und interessierte sich für jedes Detail. Vor allen Dingen hatte man viel mehr Zeit als jetzt.

Die meisten Paare verfangen sich nach wenigen Jahren in der Selbstverständlichkeit, dass der andere da ist, und was er einbringt in die Beziehung. Man hört auf zu loben, bitte und danke zu sagen, und man versinkt in dem was man meint, im Alltag tun zu müssen.

Ich habe Paare erlebt, besonders mit Kindern, die nur noch als Organisationsgemeinschaft zusammen waren. Ziehen die Kinder aus, kommt es dann meistens zu einer Leere, die kaum noch zu überwinden ist.

Die allerwichtigste Frage bei einer Affäre ist:

Wollen Sie den Partner wieder zurück?

Naja, als ob das so einfach wäre....

Hm, der Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt. Ich erinnere mich gerade an einen Fall, wo ich eine Dame behandeln sollte, die plötzlich eine hartnäckige Akne hatte. Akne funktioniert in der Regel mit Naturheilverfahren sehr gut, bei ihr aber nicht. Bis sie damit rauskam, dass ihr Mann grade eine Affäre hatte. Die Akne entstand durch die nicht ausgedrückte Wut.

Meine Frage: Lieben Sie ihn noch? Das beantwortete sie bei aller Wut mit einem klaren Ja. Ich bot ihr an, den Weg mit ihr zusammen zu gehen und gab ihr Aufgaben:

- Herausfinden, was früher anders war und verloren gegangen ist, dazu eine Liste machen.

Es kam heraus, dass sie sich seit Jahren um alle anderen kümmerte - außer um sich und ihren Mann.

Also:

  • bewusst Zeit nehmen.
  • Wenn er nach Hause kommt - den Heimvorteil nutzen! Ihn anstrahlen, willkommen heißen.
  • Wenn er Nachrichten aufs Handy bekommt - ignorieren!

Aber wie macht man das, wenn man doch wütend ist?

Das ist eine Entscheidung. Stell dir das Gute vor, wie es zu Beginn der Beziehung war. Sei dir im Klaren, dass eine Affäre nie zufällig passiert. Sie „passiert“ quasi beiden. Er war halt jetzt der aktive Teil.

Beziehungsexperte und Therapeut Michael Lukas Moeller sagte einmal: „Eine Außenbeziehung passiert Paaren, die einen Entwicklungsschrift gehen müssten oder die so einen Entwicklungsschritt bisher vermieden haben.“

Betrachte es als Dynamik, die irgendwann passieren MUSSTE, nicht als Verbrechen. Und letztendlich:

Zieh die Scheuklappen an! Versuche, NUR die guten Gefühle von damals zu fühlen! Schau NUR auf seine positiven Seiten.

Und wie ging dieser Fall aus?

Wir haben gewonnen! Es hat nicht lange gedauert, da hat er seine Affäre ziehen lassen. Denn sie bot ihm nichts mehr, was er zu Hause nicht bekommen hätte. Da hat sie gestaunt....

Sie sagten vorhin eine Affäre sei ein Weckruf. Wie meinen Sie das?

Wenn einer die Affäre herausfindet, ist das wie ein Paukenschlag. Plötzlich ist alles anders. Man muss sogar seine nähere (manchmal auch die weiter zurückliegende) Vergangenheit neu betrachten und damit neu schreiben - intime Momente, die ja offenbar gar keine waren und so weiter.

Das Aufdecken einer Affäre lässt die Zeit plötzlich stillstehen, man wird unvermittelt gezwungen, zu reden. Und darüber nachzudenken, was eigentlich in den letzten Jahren passiert ist. Der ganz Stress des Alltags und der täglichen „Wichtigkeiten“ steht hintenan und es gibt gerade nur noch EINE wichtige Sache: die Partnerschaft!

Sehr spannend Frau Dr. Strittmatter. Wie haben Sie mich als Trennungscoach eigentlich gefunden?

Sie sind das, was man einen Netzfund nennt - plötzlich tauchten Sie auf meinem Bildschirm auf. Irgendwie ist das ja wohl kein Zufall. Und ich hab Sie bereits weiterempfohlen, Coaches, Berater und Begleiter wie Sie braucht man ganz dringend!

Herzlichen Dank. Auch für dieses erhellende Interview.

Mehr Infos zur Arbeit von Dr. Beate Strittmatter:

Buch: "Rettet die Liebe", Verlag Forum via sanitas 2017 www.rettetdieliebe.de

Natürlich auch auf Amazon erhältlich

Youtube-Kanal: www.youtube.com/user/stritti25

Und was ist deine Meinung dazu? Kann eine Beziehung eine Affäre überleben? Und ist es tatsächlich so, dass wir bei der Partnerwahl unbewusst oft durch die Muster unserer Kindheit geprägt sind? Schreib es mir gerne hier in die Kommentare oder an info@trennungs-coach.de

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