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Schaden Nestmodell und Eltern-WG den Kindern?

Schaden Nestmodell und Eltern-WG den Kindern?

04.08.2020. 13:00
(Kommentare: 4)

Ihr Lieben, die Themen "Nestmodell" und "Eltern-WG" interessieren euch sehr und ich freue mich, dass ich von euch immer wieder Anfragen zu diesen Umgangsmodellen erhalte. Heute beschreibt Anne in einem Gastbeitrag, wie sie ihr Leben im Nestmodell erlebt. Die dreifache Mutter wird immer wieder mit dem Vorwurf von außen konfrontiert, dass diese Lebensform doch nicht gut für die Kinder sein könne. Wie seht ihr das? Ist diese Sorge berechtigt oder einfach Einmischerei von Leuten, die das nichts angeht? Hier kommt der Bericht von Anne:

So lebt es sich mit drei Kindern im Nestmodell

Ich bin Anne, 40 Jahre und habe drei Kinder (9, 12 und 17). Vor langer Zeit schon trat ein neuer Mann in mein Leben und ich habe mich, nach unzählig vielen schlaflosen Nächten, Wochen, Monaten und Jahren von meinem Mann und dem Vater meiner Kinder getrennt. Eehrlich gesagt, was los ist und entschieden, dass ich/wir einen neuen Weg einschlagen müssen. Das war vor einem Jahr.

Wir sind beide Eigentümer eines großen Hauses, haben viel Platz und die Kinder hier in der Umgebung ihr Zuhause. Natürlich standen zunächst die Emotionen und Kränkungen im Raum, aber vorrangig blieb doch das gegenseitige Abkommen, alles zu tun dafür, dass es unseren Kinder trotz neuer Lage an der Beziehungsfront gut geht. Mein Ex-Mann und ich haben ziemlich schnell Pläne verworfen, bei denen die Kinder zwei Zuhause hätten, pendeln müssten – wir unnötig Geld für extra Wohnraum ausgeben würden. Zumal das älteste Kind für nächstes Jahr bereits Auszugspläne schmiedet.

"Wir haben uns mit den Kindern zusammen gesetzt" 

Ohne, dass wir von dem Modell Eltern-WG wussten, haben wir uns mit den Kindern zusammen gesetzt. Ihnen erklärt, dass wir kein Liebespaar mehr sind, aber als Eltern weiterhin zusammen für sie da sein wollen. Im Haus hat jeder jetzt sein eigenes Zimmer (und eigenes Bad) als Rückzugsort – auf verschiedenen Etagen.

Die Zeiten werden abgesprochen, aufgeteilt, sind für die Kinder im Kalender gekennzeichnet und in den Zeiten, wo der eine Elternteil „frei“ hat, steht es ihm offen, nicht vor Ort zu sein – der andere kümmert sich um die Kinder. Familienzeiten sind zB. Geburtstage, Weihnachten und im Sommer eine Woche Familienurlaub zusammen – auch getrennt wohnend. Solange es allen Beteiligten gut geht damit. Wenn nicht, setzen wir uns wieder hin und ändern die Richtung, wenn nötig.

Die Kinder haben es gut angenommen und ich habe das Gefühl, sie kommen durch die Sicherheit, wir Eltern sind für sie da, das hier ist ihr Zuhause, welches ihnen keiner nimmt und wir bauen keine neuen „Zweitfamilien“ auf, mit der Situation gut zurecht.  Das haben wir auch unserem Umfeld gegenüber so erklärt, keine Heimlichtuerei.

Von anderen kommt sehr viel Unverständnis 

Mir kommt sehr viel Unverständnis und der Vorwurf des unehrlichen Modells entgege. Auch wird uns gesagt, wie sehr wir den Kindern damit schaden und wie unverantwortlich es ist.

Leider hat sich mein Freund nun von mir getrennt, weil ich auf seine Forderung, Haus und Kinder zu verlassen oder am besten gleich das Haus verkaufen, nicht eingehen konnte. Hier spielt das Thema Eifersucht, Besitzdenken und falsche Vorstellungen, resultierend aus einem Blick von außen und dadurch entstehenden Unterstellungen, eine große Rolle, denn im Grunde gehen Außenstehende davon aus, dass man als Elternpaar nicht unter einem Dach zusammen leben kann, es sei denn „da läuft noch was“.

Ein Rosenkrieg wäre verständlich, aber eine Eltern-WG nicht?

Mag sein, dass wir beide, mein Ex-Partner und ich, die Eigenart haben, Dinge gut auf der Sachebene klären zu können. Ich hab aber so langsam das Gefühl, es wird ein Rosenkrieg erwartet, damit für alle Außenstehenden klar ist, dass wir uns tatsächlich getrennt haben. Für mich ist es mittlerweile schwer, mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass nach meiner eigenen Auffassung nur die an der Trennung Beteiligten entscheiden, was ihr Status zueinander und gut für sie ist. 

Ich bin auf der Suche nach Familien, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, Kindern, die in einer Eltern-WG aufgewachsen sind und Experten-Meinungen, die die Auswirkungen auf Kinder in einem solchen Modell professionell einschätzen können. Meinungen von Leuten, die weder das Modell kennen, noch mich, noch in einer solchen Situation selbst Erfahrungen gesammelt haben, habe ich genug erhalten."

Wer mit Anne Kontakt aufnehmen will, schreibt mir gerne an info@getrenntmitkind.de

Und wie siehst du das? Kannst du das Umfeld verstehen, das dieses Lebensmodell offen kritisiert - und angeblich Angst um das Wohl der Kinder hat? Oder ist das nur ein vorgeschobener Grund von Leuten, die sich schwer tun mit alternativen Lebensmodellen und allem "was nicht immer schon so war?" Schreib mir deine Meinung gerne hier unten in die Kommentare.

Christina

PS: Kennst du schon meine kostenlose Facebook-Gruppe "Trennung und Scheidung als Chance"? Hier kommst du hin: www.facebook.com/groups/trennungalschance

Und wenn du ein individuelles Coaching und Unterstützung brauchst, schau hier auf meiner Seite vorbei: www.trennungalschance.de

 

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Kommentar von Trix |

Hallo Anne
Wir stehen noch ganz am Anfang der Eltern-WG, das heisst, es wissen auch noch nicht alle Leute davon. Im Familienkreis wurde es akzeptiert. Im Freundeskreis kommen verschiedene Bemerkungen, "wie das hält eh nicht lange" etc.
Meine Freundinnen und Kolleginnen bewundern mich (obwohl ich nicht finde, dass es da etwas zu bewundern gibt, schliesslich handle ich nicht ganz uneigennützig).
Die Bemerkung, dass es den Kindern schadet, kam bis jetzt noch nicht.
Ich wünsche dir viel Kraft für den Weg als Familie zusammen zu bleiben!
Lg Trix

Antwort von Christina Rinkl

Vielen Dank dir Trix für deinen netten Kommentar.

Und dir ebenfalls alles Gute für deinen Weg.

Herzliche Grüße,

Christina

Kommentar von Uta Allgaier |

Liebe Anne, liebe Christina, vielen Dank für diesen Beitrag! Mein Wissen über das Nestmodell gründet sich allein auf Lektüre darüber und es hat mich immer sehr überzeugt. Mir war nicht klar, dass andere Menschen denken könnten, "da läuft noch was" zwischen den Ex-Partnern. Und ich kann verstehen, dass der neue Partner eine klarere (auch räumlich) Entscheidung für sich möchte. Puh, das ist kompliziert. Allen in dieser Konstellation gerecht zu werden, erscheint mir wie die Quadratur des Kreises. Herzliche Grüße, Uta

Antwort von Christina Rinkl

Liebe Uta,

ja das stimmt. Da kommen dann ganz viele Bedürfnisse zusammen, die aufeinander prallen.

Und doch: wenn es passt, warum nicht? Bestimmt kein Modell für jeden, aber wenn sich die Eltern noch gut verstehen und die Kinder gut damit klar kommen, kann es eine Option sein.

Herzliche Grüße an dich nach Hamburg,

Christina

Kommentar von Julia |

Liebe Anne, liebe Christina,

Vielen Dank für euren Beitrag.
Wir leben seit diesem Sommer auch das Nestmodell, und ich glaube gerade bei kleinen Kindern, (unsere sind 5 und 7)ist diese Variante sehr gut.
Mein Ex hat zwar gesagt, er kann sich das nestmodell maximal 1 Jahr vorstellen, aber mal schauen wie es so läuft.

Wir leben in München, und eine zweite große Wohnung, möglichst im Schulsprengel der alten Wohnung ist einfach nicht finanzierbar.
Wir haben beide jeweils ein kleines Wg-Zimmer bzw Wohnung gemietet, und mit diesen 3 Wohnungen fahren wir tatsächlich günstiger, als mit 2 großen Wohnungen.

Im Freundeskreis wird unser Vorhaben meist sehr interessiert und positiv gewertet, aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen wie: "ihr habt ja dann gar kein eigenes Leben mehr, immer dieses Hin und Herziehen, das ist doch total anstrengend...."
Und ja, es ist anstrengend, zumal wir uns die Kinder alle 2-3 tage im Wechsel und genau paritätisch aufteilen.
Das heisst alle 2 Tage Rucksack packen, überlegen, wo ich wann was zum arbeiten brauche....Aber die Vorstellung, dass das sonst die Kinder machen müssten entspannt mich wieder.
Und hey, ich freue mich auch über die Abwechslung aus "child days" und "wild days"...:-)

Keine Ahnung, ob wir das Nestmodell wirklich die nächsten 10Jahre durchziehen werden, aber zumindest für die nächste Zeit finde ich es sehr schonend für die Kinder, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Herzliche Grüße,
Julia

Antwort von Christina Rinkl

Liebe Julia,

vielen Dank für deinen spannenden Kommentar.

Es freut mich, dass dieses Modell momentan so gut bei euch klappt.

Und dass du die Abwechslung aus "child and wild days", so wie du es nennst,  genießen kannst.

Herzliche Grüße nach München und weiterhin alles Gute für Euch,

Christina

Kommentar von antje |

Hallo, leider kann ich zu Eltern-WG nicht soviel sagen aber wie meine Vorrednerin lebe im Nestmodell mit 3 Kindern (5,10,13) seit 9 Monaten und bin sehr zufrieden. Mein WG-Zimmer bewohne ich immer eine ganze Woche. In dieser Woche hole ich aber einmal die Jüngste von der Kita ab, so dass ihr die Zeit nicht zu lang wird. Und ich vermisse ebenfalls eine breitere Bekanntmachung solcher alternativen Lebensformen und auch Gruppen zum Austausch. Das Umfeld reagiert in der Regel positiv. Viele können es sich aber für sich nicht vorstellen.

Antwort von Christina Rinkl

Danke für deinen Erfahrungsbericht, Antje.

Das mit dem WG-Zimmer ist eine gute Alternative für die Elternwohnung im Nestmodell. Anders ist das Modell in einer deutschen Großstadt und in deren Umkreis wohl auch finanziell kaum stemmbar.

Freut mich, dass du zufrieden bist mit eurem Nest-Modell.

Alles Gute für dich und deine Kinder,

Christina

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Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden.

Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@getrenntmitkind.de widerrufen.


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von Christina Rinkl (Kommentare: 2)

Stefanie erzählt in ihrem Gastbeitrag für www.getrenntmitkind.de über ihr Leben im Nestmodell. Ihr Ex-Mann und sie wohnen mit ihren beiden Kindern in einer Eltern-WG - und allen geht es gut damit. Beide haben inzwischen neue Partner, auch diese sind inzwischen Teil der Familie. Genau das können viele aus ihrem Umfeld nicht verstehen. Stefanie freut sich auf Austausch mit anderen Nestmodell-Eltern über den Blog. Lest hier ihren persönlichen Bericht:

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