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3 Tipps für eine gute Beziehung zu deinem Patchworkkind

3 Tipps für eine gute Beziehung zu deinem Patchworkkind

27.01.2020. 11:27
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Meine Blogstatistik zeigt mir, dass euch Patchwork-Themen besonders interessieren. Deswegen geht es heute um das Thema, wie du die Beziehung zu deinem Bonuskind stärken und positiv gestalten kannst. Und dafür habe ich mir einen Experten mit ins Boot geholt. Thorsten Koecher arbeitet als Coach für Patchwork-Familien und stellt uns in seinem Gastartikel für getrenntmitkind.de drei Ideen vor, die das Zusammenleben im Patchwork schöner und einfacher machen. Und zwar für Kinder genau so wie für Eltern.

Thorsten Koecher lebt in der Nähe von Berlin und arbeitet seit vielen Jahren mit Patchwork-Eltern als Therapeut in einem Kinder- und Jugendheim und inzwischen auch als Coach. Für meinen Blog hat er seine besten Tipps aufgeschrieben, was Eltern tun können, um die Beziehung zu ihrem Patchwork-Kind zu stärken:

3 Tipps, wie du endlich in besseren Kontakt zu deinen Patchwork-Kindern kommst

"Nach einer Trennung mit einer neuen Liebe zusammenziehen hört sich für viele Alleinerziehende großartig an! Nur blöd, wenn es die Kinder nicht auch so sehen.

Statt sich in das ersehnte, harmonische, neue Familienleben einzufügen stellen Patchworkkinder oft eine ganz eigene Herausforderung dar. Kinder klammern an den leiblichen Eltern oder reden schlecht über den neuen Partner. Sie reagieren mal mit offener, mal mit versteckter Ablehnung oder zeigen auf ganz individueller Ebene, dass sie nicht einverstanden sind.

Stress und Streit in der Patchwork-Familie

Manchmal klatschen Kinder das vom neuen Partner liebevoll geschmierte Brot auf die Windschutzscheibe seines Autos oder kommunizieren nur noch mit dem Knallen von Türen. Andere ziehen sich zurück und sind kaum noch aus ihrem Zimmer zu locken.

Wenn es dir mit deiner Familie ähnlich geht, dann kennst du bestimmt auch das Gefühlskarussell, das damit einhergeht. Wut, Überforderung, Hilflosigkeit und Schuldgefühle wechseln sich ab und nicht selten wird die neue Beziehung in Frage gestellt. Mit den Herausforderungen durch die Kinder wächst auch die Bitte an deinen Partner, dich mehr zu unterstützen und die ersten größeren Konflikte bahnen sich an.

Damit es mit der so dringend gewünschten Harmonie besser klappt, lass uns zusammen einen Schritt zurücktreten und mit ein wenig Abstand einen Blickauf Patchworkkinder in neuen Familienkonstellationen werfen.

Zeig Verständnis für dein Patchworkkind

Kinder in neuen Patchworkkonstellationen habe eine Trennung hinter sich. Je destruktiver die Trennung war, umso weniger Energie haben Kinder und Jugendliche, um sich konstruktiv auf einen neuen Erwachsenen in ihrem Leben einzulassen.

Das, was Kinder zeigen, ist dabei nichts anderes als eine Bewältigungsstrategie. Das heißt, das, was dein Kind zeigt, ist das Beste, was dein Kind leisten kann, um mit der neuen Familiensituation umzugehen. Und weil ich das gar nicht genug betonen kann: Dein Kind ist also nicht böswillig oder manipulativ unterwegs, sondern zeigt das, was es kann, um mit deiner Entscheidung für deinen Partner und neue Familienmitglieder klarzukommen. Dabei sind die Gefühle sehr ähnlich, Kinder fühlen sich hier - genau wie du - wütend, überfordert, hilflos und haben Schuldgefühle.

Das Kind bemüht sich. Genau so wie du

Dass dein Patchworkkind eine Bewältigungsstrategie zeigt, heißt aber auch, dass es ja will! Es will sich ja anpassen, es will ja klarkommen, es will mehr Harmonie und weniger Stress und es zeigt dir mit seinem Verhalten sehr genau, ob du auf dem Holzweg bist oder ihr eurem Ziel näherkommt.

Von der Tatsache, dass dein Kind eine Bewältigungsstrategie zeigt, lassen sich 3 Tipps für einen harmonischeren Umgang ableiten:

1: Das Kind gibt das Tempo vor

Kinder brauchen Zeit, um sich an neue Situationen anzupassen. Die Eingewöhnung in die Kita, der Wechsel auf eine neue Schule, oder die neue Patchwork-Familie, alles braucht genügend Zeit. Wenn du dir die Entwicklung vom ersten Treffen bis zur Einkehr von Alltag nach dem Zusammenziehen als Treppe vorstellst, dann bedeutet das, dass ihr die nächste Stufe erst dann nehmt, wenn das Verhalten von deinem Kind zeigt: „Ja, für mich ist es gerade ok, so wie es ist.“

Habt ihr mehrere Kinder, dann geht es erst weiter, wenn die aktuelle Stufe für alle in Ordnung ist.  Ist also das Treffen mit deiner neuen Liebe auf dem Spielplatz für deine Patchworkkinder ok – kein Kind klammert oder verhält sich ungewohnt still oder aggressiv - dann könnt ihr ein Treffen bei dir oder deinem Partner zu Hause planen. Wirken die Kinder belastet, bleibt ihr erstmal bei den Treffen auf neutralen Boden.

Natürlich geht so ein an den Kindern orientiertes Vorgehen zu Lasten von Planungssicherheit und wahrscheinlich wünschst du dir ein schnelleres Vorankommen. Wenn ihr euch aber hier Zeit und die Kinder das Tempo bestimmen lasst, erspart ihr euch eine MENGE von den oben geschilderten Konflikten.

2: Sei ein guter Gast

Denn aus Sicht des Patchwork-Kindes bist du momentan nicht mehr. Ein Gast! Du wirst geduldet und wenn du Glück hast vielleicht, neugierig beäugt. Als Gast hast du weder Entscheidungskompetenzen noch andere Privilegien. Du darfst dich freundlich einbringen, solltest aber die Entscheidungen immer dem leiblichen Elternteil des Kindes überlassen.

Aufträge darfst du annehmen, wenn beide, dein Partner und dein Patchworkkind, damit einverstanden sind. Mitbestimmung nimmt dabei dem Gefühl von Ohnmacht und Bedrohung den Wind aus den Segeln. Achte deshalb unbedingt darauf, dass dein Patchworkkind mitbestimmen kann, ob du ihm z.B. abends noch vorliest, oder es zur Schule fährst. (Wenn es nicht möchte, dann kann es Alternativen nutzen und z.B. den Bus nehmen oder dein Partner muss erklären, warum es gerade nicht anders geht.)

Als Bonusvater oder Mutter hast du keinen Erziehungsauftrag

Und auch wenn ihr schon eine Weile zusammenlebt, solltest du klar machen, dass du keinen Erziehungsauftrag hast. Kindern fällt es schwer positiv zu reagieren, wenn sie das Gefühl haben, dass du in Konkurrenz zur leiblichen Mutter / zum leiblichen Vater stehst. Mach also deutlich, dass du das gar nicht möchtest!

Natürlich solltest du trotzdem sagen, was du magst und was dich stört, aber beziehe das immer auf die Ebenen zwischen dir und dem Kind. Also anstelle: „Bei uns wird am Tisch nicht mit dem Handy gespielt!“ kannst du sagen: „Mich stört es, wenn du mit dem Handy spielst, kannst du es bitte mir zu Liebe sein lassen?“

3: Sei transparent

Kinder durchschauen dich messerscharf und noch ehe du den Mund aufgemacht hast, wissen sie schon wie der Hase läuft. Zeig dich deswegen so wie du bist: sei offen, sei verletzlich, sei unsicher, sei fröhlich, sei betroffen, steh zu deiner Meinung ohne andere abzuwerten und rede mit deinen Patchworkkindern so, dass genau DAS sichtbar wird.

Du möchtest gerne dein Patchworkkind ins Kino einladen, aber weißt nicht, ob es Lust auf einen Abend mit Dir hat? Dann sag genau das: „Hey, ich hätte Riesenlust mit dir ins Kino zu gehen, aber ich weiß nicht ob du Lust dazu hast, was hältst du davon?“

Dein Patchworkkind steht auf Hiphop, du nicht? Dann sag das: „Ne, Hip Hop ist nicht so mein Ding, aber schön, dass du etwas gefunden hast, das dir gefällt.“

Wenn du transparent und offen bist, dann wirst du für deine Patchworkkinder greifbar. Du bekommst sozusagen Hand und Fuß. Du bist nicht immer populär, aber jeder weiß, woran er bei dir ist. Das gibt Sicherheit und lädt ein, stärker in Beziehung mit dir zu treten.

Patchwork bleibt immer Abenteuer und Herausforderung

Wenn du diese 3 Tipps umsetzt, hilfst du deinem Patchworkkind „sozial verträglichere“ Bewältigungsstrategien anzuwenden. Die Aufgabe Patchworkfamilie wird für dein Kind machbarer, die Hürde nicht mehr so hoch. Neue Familienmitglieder wirken weniger bedrohlich und an dem neuen Erwachsenen lassen sich angenehme Züge entdecken. Neugierde entsteht und Beziehungen entwickeln sich. Beziehungen, die bei allen Ups and Downs Spaß machen!"

Lieber Thorsten, vielen Dank für deinen Text mit diesen  sofort umsetzbaren und alltagsnahen Tipps. Aus meiner Sicht hast du sehr gut zusammengefasst, was beim Zusammenleben im Patchwork, vor allem in der Anfangszeit, besonders wichtig ist.

Wer mehr über Thorsten Koecher und seine Coaching-Arbeit erfahren will kann hier auf seiner Webseite und auf seinem Blog vorbei schauen. Übrigens hat er gerade vor ein paar Tagen seinen brandneuen Podcast "Patch your family" gestartet, der auf vielen  gängigen Podcast-Apps und Kanälen zu finden ist.

Und was bedeutet Patchwork für dich?

Und was denkst du zum Thema Patchwork? Welche Hürden durftest du dabei schon meistern und was waren besondes schöne Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind? Schreib es mir gerne an info@getrenntmitkind.de oder hier unten in die Kommentare

Wenn du mehr zum Thema lesen willst, schau dir meinen Artikel an zum Thema was für Patchworkkinder wirklich wichtig ist

Vor einiger Zeit fragte mich eine Leserin, wie ihre Tochter im Kindergarten am besten erklären kann, dass sie zwei Väter hat. Meine Antwort liest du hier

Und hier findest du eine tolles Buch zum Thema Patchwork, Regenbogen, Single-Eltern, Pflegefamilien - und viele weitere bunte Familienformen.

Leb und genieß die Familie, die du hast und die für dich und deine Kinder passt.

Das wünsche ich dir von Herzen.

Christina

PS: Infos zu meinem Coaching-Angebot für Mütter vor und nach der Trennung findest du auf dieser Seite

 

 

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von Christina Rinkl (Kommentare: 0)

Vor einiger Zeit schrieb mir Nathalie (alle Namen geändert): „Ich habe eine Frage an dich. Meine Tochter Amelie (5) weiß nicht, wie sie anderen Kindern unsere Familiensituation erklären soll. Ihren leiblichen Vater hat sie in den vergangenen Jahren nur wenig gesehen. Mein neuer Partner bringt sich sehr in unser Familienleben ein. Amelie empfindet es so, dass sie jetzt zwei Papas hat. Aber sie weiß nicht, wie sie das den anderen Kindern hier bei uns im Dorf erklären soll.“ Was würdet ihr Nathalie raten? Hier kommt meine Antwort:

von Christina Rinkl (Kommentare: 0)

Schon lange habe ich beim Lesen nicht mehr so viel gelacht wie beim Durchblättern dieses wunderbaren Kinderbuchs: "Alles Familie" von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl. Die Illustrationen sind einfach super gut. Und der Inhalt ist es auch. Im Buch wird fast jede Form von Familie gezeigt: Trennungsfamilien, Pflegefamilien, Wittwer mit Kind, Kinderdorfmütter und Adoptionsfamilien.

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