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Buchtipp: Trennungskinder von Psychologe Dr. Claus Koch

Buchtipp: Trennungskinder von Psychologe Dr. Claus Koch

23.09.2019. 12:01
(Kommentare: 0)

Seit ein paar Wochen steht dieser neue Ratgeber im Trennungs- und Scheidungsregal in den Buchhandlungen: „Trennungskinder – Wie Eltern und ihre Kinder nach Trennung und Scheidung wieder glücklich werden.“ Das selbsternannte „große Selbsthilfebuch“ verspricht in seinem Titel sehr viel. Für meinen Geschmack zu viel, obwohl das Buch lesenswert ist.  

Das bisherige Standardwerk zum Thema ist eindeutig das Buch „Glückliche Scheidungskinder“ von Remo Largo, ich habe hier bereits über dieses und andere Trennungsbücher geschrieben.

Ein neues Trennungsbuch für betroffene Eltern

Das aktuelle Buch „Trennungskinder“ ist nach Angaben des Patmos-Verlages nun ebenfalls „ein Meilenstein unter den Scheidungsratgebern und bietet neueste wissenschaftliche Erkenntnisse sowie lebensnahe Hilfe für Kinder Jugendliche und Eltern.“ 

Diese fulminante Beschreibung ist aus meiner Sicht ein wenig zu hoch gegriffen. Das Buch ist ein eher nüchtern und sachlich geschriebener Ratgeber aus Psychologen-Sicht zum Thema Trennung, angereichert mit aktuellen Studien zum Thema und  Beispielgeschichten aus der Praxis. Autor ist der Diplom-Psychologe Dr. Claus Koch, der an der Uni Bielefeld lehrt und bis 2015 Verlagsleiter Sachbuch beim Beltz-Verlag war. Vor vier Jahren gründete er das Pädagogische Institut Berlin.

Wie Kinder die Scheidung ihrer Eltern erleben

An seinem Buch gefällt mir, dass er tatsächlich die Kinder im Blick hat. Koch beschreibt die Auswirkungen einer Trennung auf Kleinkinder wie auf Jugendliche, und erklärt unter anderem, warum gerade kleine Kinder oft mit Schuldgefühlen auf das Auseinandergehen ihrer Eltern reagieren. 

Er hat sein Sachbuch in drei große Teile gegliedert: „Die Trennung“, „Das Leben nach der Trennung“ und „Damit es Kindern und ihren Eltern nach der Trennung wieder gut geht.“

Wie können Eltern ihren Kindern die Trennung erleichtern?

Als wichtigste Schutzfaktoren nennt der Autor und Bindungs-Experte für den letztgenannten Punkt unter anderem „für Geborgenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit sorgen“, „bedingungslose Liebe geben“ und statt „Verwöhnung auf Selbstwirksamkeit achten“.

Ich stimme dem Entwicklungs-Experten absolut zu, wenn er schreibt dass Kinder von ihren Eltern nach dem Beziehungs-Aus nicht zu Partnern gemacht werden sollten. Dass es ungut für Kinder ist, wenn Eltern sie mit ihren Trennungs- oder Beziehungsproblemen belasten und dass es auch nicht förderlich ist wenn Kinder ab Schulalter noch dauerhaft gemeinsam im Bett mit einem getrennten Elternteil schlafen. In der Fachsprache heißt dieses Phänomen Parentifizierung und diese passiert gar nicht so selten.

Auch in diesem Trennungsbuch steht: Nicht über den anderen Elternteil lästern - zumindest nicht vor dem Kind

Ebenfalls ein ganz zentraler Punkt: Eltern sollten Loyalitätskonflikte vermeiden und keine gegenseitige Vater-Mutter-Abwertung vor dem Kind betreiben. Dr. Claus Koch bringt es auf den Punkt indem er schreibt: „Loyalitätskonflikte stellen sich immer dann ein, wenn Eltern sich gegenseitig schlechtmachen oder versuchen, ihre Kinder über die Zeit auszuhorchen, die sie beim Ex-Partner verbringen. Meistens verstummen sie dann um den jeweils anderen nicht zu kränken. Verzichten Eltern auf Vergleiche dieser Art, ist den Kindern viel geholfen.“ 

Das was für viele getrennte Eltern selbstverständlich ist, ist es für manche andere eben leider immer noch nicht, deswegen kann dieser elementare Punkt aus meiner Sicht nicht oft genug wiederholt werden.

Sachlicher Ratgeber mit Tipps für Trennungs-Eltern 

Dennoch ist das Buch kein „großes Selbsthilfebuch“ wie es auf dem Titel angekündigt wird. Es ist ein guter sachlicher Ratgeber mit praktischen Tipps, die vor allem für die Eltern neu und interessant sein werden, die sich noch nicht umfassend mit dem Thema Trennung auseinandergesetzt haben. Effektive Selbsthilfe zum Thema Trennung, das sind aus meiner Sicht Angebote wie das deutschlandweite Seminar für Trennungseltern „Kinder im Blick“, über das ich in diesem Text schon einmal ausführlich geschrieben habe. „Trennungskinder“ gibt gute Anregungen für betroffene Eltern, umfassende Selbsthilfe kann dieser allgemeingeschriebene Ratgeber nicht bieten.

Der Inhalt ist gut - auch wenn manche Sätze nicht zum Weiterlesen anregen

Der Autor schreibt aus Sicht und Distanz des Psychologen, nicht als Trennungs-Betroffener. Das merkt man auf jeder einzelnen Seite im Buch. Dieser professionelle Blick wird sicher für manche Leser hilfreich sein. Mir sind sind einige Sätze von Dr. Claus Koch zu sperrig, wie zum Beispiel dieser hier auf Seite 127: „Beim Versuch, sich in neuen Beziehungen bis hin zu einer ganz neuen Familienkonstellation zurechtzufinden und das Leben nach der Trennung wieder gut in den Griff zu bekommen, spielen nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen erworbene Bindungsmuster eine Rolle.“ 

Inhaltlich stimmt das natürlich, aber das hätte Herr Koch auch einfacher und leserfreundlicher ausdrücken können. In seinen Interviews gelingt ihm das deutlich besser. Zum Beispiel im Gespräch mit Bento im April dieses Jahres.

Nur für die Kinder zusammen bleiben? Besser nicht

Auf die Frage, ob man Kindern einen Gefallen tue, wenn man ihnen zuliebe als Paar zusammenbleibt, antwortet der Autor im oben genannten Interview: "Man macht es sich viel zu einfach, wenn man Trennungskinder immer nur Kinder, die in traditionellen Familien leben, gegenüberstellt und so tut, als gäbe es dort keine Probleme. Kinder, die unter einem Dauerstreit der Eltern aufwachsen, sind den Loyalitätskonflikten, Verlustängsten, Schuld- und Ohnmachtsgefühlen dauerhaft ausgeliefert. Nicht immer ist das Zusammenbleiben der beste Weg.“

Und gefragt nach den Folgen der Trennung für Kinder geht er auf zwei Studien ein, die er auch in seinem Buch zitiert:

"Psychologinnen wie Mavis Hetherington oder Judith Wallerstein gehen in ihren Langzeituntersuchungen davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Kinder eine Scheidung ohne Folgen, die darauf zurückzuführen wären, verkraften. Das liegt meist daran, dass die Eltern gut damit und miteinander umgehen. Bei den restlichen Trennungskindern aber kommt es zu Symptomen, die wohl auf die Trennung ihrer Eltern zurückzuführen sind.“ Insgesamt liege der Prozentsatz der Kinder, die wegen der Trennung ihrer Eltern Langzeitfolgen erleben, bei etwa zehn bis fünfzehn Prozent.

Der Psychologe macht in seinem Buch sehr deutlich, dass eine Trennung für Kinder wie für Eltern eine große Belastung und Herausforderung ist, vor allem in der ersten Zeit. Dass es aber gleichzeitig möglich ist, diese zu bewältigen und gestärkt aus ihr hervor zu gehen - wenn Eltern auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen und ihre eigenen Konflikte nicht auf deren Rücken austragen.

Die Sicht der Kinder steht in diesem Buch im Fokus - und das ist gut so

Ich finde es gut, dass es mit „Trennungskinder“ ein neues aktuelles Buch gibt, das das Thema Scheidung aus psychologischer Sicht beleuchtet– und ebenfalls gut ist, dass der Autor die Perspektive in seinem Werk ganz klar auf die Kinder legt. Claus Koch verschweigt die Herausforderungen einer Trennung nicht und bietet Eltern Denkanstöße und Tipps zu deren Lösung an.

Das Buch kostet 18 Euro und ist im August 2019 bei Patmos erschienen.

Und welche Trennungsbücher habt ihr im Regal? Welche haben euch im Alltag wirklich weitergeholfen?
Schreibt es mir gerne hier unten in die Kommentare oder an info@getrenntmitkind.de

Christina

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von Christina Rinkl (Kommentare: 0)

Jetzt kommt so langsam der Herbst und damit wieder mehr Zeit für Bücher. Ich habe hier ja schon mal über Trennungsbücher für Kinder geschrieben und hier über das die neue, sehr offene und persönliche Trennungsbiographie „Single Mom“ von Caroline Rosales. Es gibt aber noch viel mehr gute Werke zum Thema. Das hier sind meine Top-Five:

von Christina Rinkl (Kommentare: 0)

Heute erscheint ein Buch, das ich in den letzten Tagen schon vorab lesen durfte und regelrecht verschlungen habe. Caroline Rosales ist 36, Redakteurin in Berlin und alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder. Über ihre Trennung und die erste Zeit danach hat sie ein sehr persönliches Buch geschrieben. An vielen Stellen habe ich beim Lesen gedacht: Jawoll. Genau so ist es. Zum Beispiel bei diesen Textpassagen hier:

von Christina Rinkl (Kommentare: 1)

Es gibt ein Buch, das meinem Sohn die Zeit nach der Trennung erleichtert hat. Es heißt „Wir sind immer für dich da“ und er wollte es damals, in den ersten Monaten in unserer neuen Wohnung, immer wieder lesen. Dieses Kinderbuch ist nicht das einzige, das die Trennung der Eltern thematisiert.

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